Stellungnahme vom Migrationsrat zur Polizeilichen Kriminialstatistik 2012

Eine sehr gute und fundierte Analyse vom Migrationsrat zu der Polizeilichen Kriminalstatistik 2012. Vielen Dank an die Verfasser_innen des Dokuments!!!

Stellungnahme PKS 2012

Aufruf zur Kundgebung am 6.Mai zum Gedenken an die Ermordeten des NSU

Aufruf zum Gedenken an die Ermordeten des NSU

++++KUNDGEBUNG WURDE AUF DEN 6.MAI VERSCHOBEN+++

Am Montag, den 6. Mai beginnt der Prozess gegen fünf Mittäter_innen der NSU-Mordserie.

Die Medien stellen diesen Prozess immer mehr in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung und suggerieren der Öffentlichkeit, dass damit alle offenen Fragen hinsichtlich der NSU-Mordserie beantworten werden können. Doch das Kapitel NSU ist noch lange nicht abgeschlossen.

Wir erachten diesen Prozess als einen Scheinprozess! Denn offene Fragen bestehen nicht nur im Zusammenhang mit bekennenden Rassist_innen. Auch die politisch Verantwortlichen und staatlichen Institutionen sind den Angehörigen der Opfer unzählige Antworten schuldig und können sich durch den Prozess nicht aus der Verantwortung ziehen.

Nach mehr als einem Jahrzehnt müssen die politisch Verantwortlichen zugeben, dass hinter den Bombenanschlägen und der Ermordung von neun Menschen eine rassistische Motivation besteht. Unterstützt bzw. ermöglicht wurden jene Taten durch das Wegschauen, die Verschleierung und die falsche Spurensetzung von den sogenannten Sicherheitsbehörden, politisch Verantwortlichen, Medien aber auch der Zivilgesellschaft. Die Gefahr von rechts wurde kontinuierlich verharmlost und Neonazis strukturell und finanziell von staatlichen Institutionen unterstützt. Die vorhandenen rassistischen Denkmuster innerhalb dieser Institutionen und der Gesellschaft haben eine rechtzeitige Aufklärung verhindert.

Für uns steht fest, dass staatliche Organe eine (Mit-)Verantwortung, gar eine (Mit-)Schuld an den NSU-Morden und an der politischen Stimmung in Deutschland tragen. Die Verstrickungen von Polizei und Verfassungsschutz sowie die Kriminalisierung und Schikanierung der Opfer und ihrer Angehörigen, verdeutlichen den institutionellen Rassismus in Deutschland. Der in der Medienöffentlichkeit verwendete Begriff “Döner-Morde” verhöhnte die Mordopfer, entmenschlicht sie und bagatellisiert die Morde. Ausgerechnet die Medien, die diesen Begriff auf ihrer Titelseite platziert haben, sitzen jetzt im Gerichtssaal in der ersten Reihe, während nicht-deutschsprachige Medien im Gerichtssaal unerwünscht sind. Die Benennung der eingesetzten Sonderkommission für die Ermittlung der Mordserie als „SoKo Bosporus“ verdeutlicht den Rassismus innerhalb staatlicher Institutionen. So wird Zudem der Eindruck erweckt, als handele es sich um Taten, die”fernab” bzw. “außerhalb” der hiesigen Gesellschaft stattfanden.

Für Antirassist_innen und Antifaschist_innen steht jedoch fest: Rassismus in Deutschland ist kein Randphänomen, das am so genannten “rechten Rand” der Gesellschaft anzusiedeln ist. Rassismus ist tief in der gesamten Gesellschaft verankert und hat Struktur sowie Methode. Die staatlichen Institutionen verkennen dies. Damit solche Morde, sowie die Kriminalisierung und Schikane durch staatliche Institutionen gegenüber rassisfizierten Menschen endlich ein Ende nehmen, müssen wir selber Druck machen.

KOMMT ALLE AM 6. MAI UM 10 UHR ZUM KOTTBUSSER TOR (UNTER DER UNTERFÜHRUNG/ADALBERTSTRAßE), UM GEMEINSAM DEN VOM NSU ERMORDETEN ZU GEDENKEN!!! UND ANSCHLIEßEND UM 12 UHR ZUR KUNDGEBUNG VOR DEM BUNDESTAG (PLATZ DER REPUBLIK)

Wir gedenken den vom NSU Ermordeten:

Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat.

Außerdem fordern wir:

  • Kontinuierliche und kritische Auseinandersetzung mit Rassismus, dessen konsequente Bekämpfung, dort wo er vorkommt – in der gesamten Gesellschaft!
  • Abschaffung des Verfassungsschutzes!
  • Abschaffung aller ausgrenzenden Gesetze! Partizipationsrechte, gleichberechtigt und selbstbestimmt für alle in Deutschland Lebenden!
  • Schluss mit der diffamierenden und kriminalisierenden „Integrationsdebatte“!

Bündnis gegen Rassismus – Für eine gerechte, emanzipierte und solidarische Gesellschaft ohne Rassismus!

bundgrass@yahoo.de

http://www.facebook.com/BuendnisGegenRassismus

Das Problem heißt Rassismus! Veranstaltung zum NSU Prozessauftakt: Wir schauen hin!

Die Veranstaltung findet am 5. April 2013 um 19.30 Uhr im Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V. in der Urbanstraße 21
10961 Berlin statt.


RASSISMUS – WIEDER DAS MOTIV? Demo am Samstag 6.4.2013 / 14 Uhr / Friedhof Columbiadamm in Berlin-Neukölln

Die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B. ruft zur Demo am 6. April 2013 um 14 Uhr am Friedhof Columbiadamm in Berlin-Neukölln auf.

Burak wurde vor einem Jahr, in der Nacht vom 4. auf den 5. April, gegenüber vom Krankenhaus Neukölln ermordet. Er war 22 Jahre alt. Erschossen auf offener Straße, mitten in der Nacht. Fünf Freunde unterhalten sich, lachen, leben, haben Spaß. Der Mörder kommt auf die Gruppe zu, legt an, drückt ab. Burak: Lungendurchschuss, tot. Zwei seiner Freunde, Alex. A. und Jamal A., überleben die Mordnacht lebensgefährlich verletzt.

Wir rufen euch zur Solidarität mit der Familie und den Freunden von Burak auf. Wenn ein Mensch auf offener Straße in Berlin ermordet wird, geht uns das alle an. Wir werden nicht dazu schweigen, denn die rassistische NSU-Mordserie könnte als Vorbild gedient haben. Wir fragen uns, welche Lehren die Behörden aus ihrem Versagen im Rahmen der Ermittlungen gegen den NSU gezogen haben. Ist Rassismus wieder das Motiv?

Lasst uns gemeinsam Burak gedenken. Lasst uns mit einer entschlossenen Demonstration Druck auf die Ermittlungsbehörden ausüben.
In Gedenken an Burak und in Solidarität mit seinen Angehörigen.
Wir werden nicht schweigen, bis der Mord aufgeklärt ist!
Wir werden den Mord nicht vergessen!

Mehr Infos:
Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B.

„Grenzenlos und unverschämt“ (May Ayim) – Geschichte(n) anti-rassistischen Widerstands in Deutschland

++ Diskussion ++ Spoken Word ++ Konzert ++ Party ++ 


Eintritt: frei und gegen Spende

Am 21. März, dem Internationalen Tag gegen Rassismus, lädt das Bündnis gegen Rassismus zur Podiumsveranstaltung über antirassistische Widerstände in Deutschland ein. Es gibt eine Vielzahl von Perspektiven und Erfahrungen, denen wir an diesem Abend Raum geben wollen. Die Veranstaltung soll den antirassistischen Widerstand von Menschen, die selbst Rassismus-erfahrungen machen, aufzeigen und verdeutlichen, dass Schwarze, Migrant_innen, Geflüchtete, People of Color, Roma und allgemein Menschen mit Rassismuserfahrungen nicht erst „mobilisiert“ werden müssen.

Wir sind längst aktiv und waren es auch schon immer!

Gemeinsam mit euch und den Podiumsgästen möchten wir uns über die unterschiedlichen antirassistischen Kämpfe austauschen und über gemeinsame Perspektiven diskutieren.

Auf dem Podium:

Adetoun Küppers-Adebisi (Afrotak TV cyberNomads)
Hajdi Barz (Ini Rromnja)
Napuli P. (Refugee Protest Oranienplatz)
N.N. (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, ISD e.V.)
Garip Bali (Allmende e.V.)

Spoken Word u.a. mit:
Moona مونا Moon

Konzert u.a. mit:
Mozaik (Kaveh und Anjun)
Çığır

 

Party:
DJ Wardita (elektroriental)
DJane Chanda (transcaribbean flow)

Antwortschreiben vom Bündnis gegen Rassismus

Das Antwortschreiben vom Bündnis gegen Rassismus zu dem Artikel von Eren Güvercin „Raus aus dem Migrantenstadl“  im Deutschlandradio zum Nachlesen: Brief an Güvercin

Lieber Eren Güvercin,

wir vom Bündnis gegen Rassismus haben mit Entsetzen Ihren Artikel und Ihre Trivialisierung von alltäglichen, rassistischen Zuständen in der Bundesrepublik Deutschland gelesen.

In Ihrem Artikel schreiben Sie, dass auch “türkisch-und arabischstämmige” Jugendliche rassistisch handeln. Wir möchten Sie an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass Sie damit Jugendlichen eine vermeintliche Herkunft zuschreiben, die womöglich gar nicht die ihrige ist, da diese Jugendliche, von denen Sie schreiben, in den meisten Fällen hier geboren und sozialisiert sind. Warum es trotzdem so wichtig ist, unbedingt zu betonen, dass Ihre Großeltern oder Ur-Großeltern aus einem anderen Land eingewandert sind, bleibt offen. Hier stellt sich auch die Frage, woher das Wort “arabischstämmig” kommt. Auf welches Land beziehen Sie sich? Gibt es ein Land namens Arabien, welches uns noch unbekannt ist?

Es mag sein, dass die Jugendlichen, von denen Sie schreiben, Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen habe. Dabei jedoch von Rassismus zu sprechen, ist schlichtweg nicht korrekt. Denn Rassismus ist die Kombination von Macht und Vorurteil, d.h. egal wie sehr “türkisch-und arabischstämmige” Jugendliche über die Gruppe xy schimpfen: Es bleibt bei einem Vorurteil, anders als beim Rassismus von Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft, die in Machtpositionen sind (Lehrer_innen, Beamt_innen etc.). Dieser Rassismus wird täglich reproduziert und hindert bestimmte Menschen an Ressourcen zu kommen oder/und am gesellschaftlichen Leben in allen Bereichen zu partizipieren.Folglich können Sie in diesem Zusammenhang von Vorurteilen, Diskriminierungen oder Aversionen, jedoch nicht von Rassismus sprechen.

Des Weiteren schreiben Sie von „fremdenfeindlichen“ Ressentiments. Damit verdeutlichen Sie, dass es legitim ist, dass Menschen die seit mehreren  Generationen hier leben als “Fremde” bezeichnet werden. An dieser Stelle möchten wir Sie erneut fragen, weshalb Sie diese Menschen als “fremd” bezeichnen oder verstehen? Das Problem ist Rassismus und muss auch genau so benannt werden. Es handelt sich um ein institutionelles und strukturelles Problem, nicht um eine individuelle Abneigung (bzw. “Feindlichkeit”), die einige Menschen in sich tragen.

„Wir  haben uns angewöhnt, von gewaltbereiten Salafisten,  Islamisten, Dschihadisten zu reden. Man fragt sich, warum fromme Muslime diese  Begriffswahl hinnehmen und sich nicht dagegen verwahren sowohl, dass in ihrem Namen Hass gepredigt und Gewalttaten geplant werden, [...]

Haben Muslime überhaupt die Möglichkeit, hier zu intervenieren und die Begriffswahl zu ändern? Wie viele Gläubige Muslim_innen sitzen im Bundestag und wie viele von Ihnen sind in den Mainstream-Medien vertreten? Wenn es auch nur ansatzweise um die oben genannten Themen und Begrifflichkeiten geht, dann dürfen nicht die “frommen Muslime” sprechen und den Diskurs bestimmen, sondern selbsterklärte Expert_innen, die den weißen, westlichen hegemonialen Diskurs wiedergeben, um so die bereits vorhandene öffentliche Meinung aus einer vermeintlich legitimen Perspektive zu unterstreichen.

Sie schreiben weiter, dass es an der Zeit sei, dass Migrant_innen ihre Opferrolle ablegen und sich nicht länger als Objekt von Studien und Behörden begreifen sollen.

Wie sollen “Migrant_innen” sich nicht länger als Objekt von Studien und Behörden begreifen, wenn an den entscheidenden Stellen, den Lehrstühlen und Behörden weiße Deutsche sitzen, die mit großer Freude, so scheint es, Studien über die gewaltbereiten “muslimischen” Jugendlichen erstellen? Werden weiße Professoren (es sind zumeist Cis-Männer) diese Stellen mit Schwarzen und PoC (People of Color) besetzen? Ihr Artikel lässt die strukturellen Verhältnisse, in denen Schwarze, PoC, Migrant_innen (u.a. Selbstbezeichnungen), die Benachteiligten sind, komplett außer Acht. Zudem zeichnen Sie ein Bild, in dem antirassistischer Widerstand von Menschen mit Rassismuserfahrungen – den es in der BRD seit Jahrzehnten gibt – nicht vorkommt. Es engagieren sich tagtäglich unzählige Menschen dafür, diese Gesellschaft mitzugestalten, gerade weil sie sich als Bürger_innen dieses Landes sehen. Das Bündnis gegen Rassismus ist nur ein Beispiel dafür. Und um die Gesellschaft aktiv mitzugestalten betrachten wir es als essentiell auf die strukturellen Benachteiligungen und auf die alltäglichen rassistischen Übergriffe aufmerksam zu machen.

Sie betrachten dies womöglich als “Migrantenstadl”, für uns ist dies jedoch Partizipation.

Bündnis gegen Rassismus

Wir behalten uns vor, diese Mail und Ihre Antwort(en) ggf. zu  Dokumentationszwecken zu veröffentlichen.

www.buendnisgegenrassismus.org
bundgrass@yahoo.de

Gegen Rassismus in Medien und in Kinder- und Jugendbüchern – Ein offener Brief

Offener.Brief.gegen.Rassismus…Final….28.01.2013..

Wie können in Kinderbüchern und anderen Büchern nicht verletzende Wörter und nicht- rassistische Gruppenkonstruktionen, sondern egalitäre, nicht-koloniale Beziehungsverhältnisse dargestellt werden, die nicht von indirekt konstruierter weißer, zivilisierter Dominanz und nicht von einer kolonial-rassistischen Konstruktion Schwarzer Menschen gekennzeichnet ist?

Die Debatte über die Benutzung des N-Wortes, alternative Bezeichnungen und koloniale Gruppenkonstruktionen wird in Deutschland seit einigen Wochen von verschiedenen so genannten Qualitätszeitungen geführt, u.a. da sich einige Verlage bereit erklärt haben, ihre Kinderbücher in diskriminierungsreflexiver Weise zu überarbeiten, was in einigen Medien sowie in Internetforen und den Kommentarfunktionen von Zeitungen mit einem medialen Sturm der Entrüstung beantwortet wurde.

Der Thienemann-Verlag, der einige seiner Bücher überarbeiten will, hat fachlich inhaltlich auf seiner Homepage Stellung bezogen, u.a. indem aufgezeigt wird, dass keinesfalls von „Zensur“ die Rede sein kann und dass Kinder unterschiedlicher Altersstufen etwas vorgelesen bekommen und auch alleine lesen. Dass keine Zensur vorliegt, wird u.a. durch die zigfache Verwendung des N-Wortes in den Zeit- Artikeln vom 17.01.2013 und in der Kolumne von Mely Kiyak in der Frankfurter Rundschau: “Liebe N.” belegt. Mely Kiyak hat den interessanten Gedanken, nicht ausschließlich rassistische Wörter zu verändern, sondern die kolonialrassistischen Konstruktionen offenzulegen und solche Bücher nicht zu verwenden. Leider benutzt sie rassistische Begriffe in ihrer Argumentation und erweist rassismuskritischen Ambitionen, entgegen ihren sonstigen Artikeln, damit keinen guten Dienst, eher das Gegenteil.

Ein lesenswerter und rassismuskritischer Artikel trägt den Titel „Koloniale Altlasten. Rassismus in Kinderbüchern: Wörter sind Waffen“ von Simone Dede Ayivi im Tagesspiegel/Berlin. In diesem wird auch thematisiert, um was es in der aktuell stattfindenden Debatte wirklich geht: dass die Mehrheit der deutschen Medien und Theaterbühnen in ihrem Sprachgebrauch immer noch nicht die Tatsache mitdenken, dass in Bezug auf das deutsche Lese- oder Zuschauerpublikum ein „wir“ und ein „uns“ auch Schwarze Menschen miteinschließt bzw. miteinschließen sollte. Dass der Thienemann-Verlag versteht, dass seine Medien den heutigen Realitäten – das deutsche Leser_Innenpublik besteht nicht nur aus weißen Personen – angepasst werden müssen, ist anerkennenswert und angemessen. Damit stellt er eine Innovationsfähigkeit unter Beweis, die die Autorin Simone Dede Ayivi zu Recht bei jenen vermisst, die sich scheinbar verzweifelt an die Bestimmungsmacht in Bezug auf medial zu verwendende Begrifflichkeiten klammern, unabhängig davon wie unzeitgemäß diese sind. Die Autorin Sabine Mohamed hat auf diesen gesellschaftlichen Missstand bereits letztes Jahr in einem Artikel und vor der aktuellen Debatte aufmerksam gemacht.

Zur historischen Kontextualisierung der Gegenwarts-Debatte: Die vorrangig in Black Community-internen Zirkeln geführte Begriffsdiskussion erreichte 2003 erstmalig publikumswirksam die „öffentliche“ Diskussion. Nachdem die Volksbühne eines ihrer Stücke aggressiv mit dem N-Wort beworben hatte, erschien in der Berliner Zeitung der Artikel von der Afro-Deutschen Albini Zöllner unter dem Motto „Ein Wort hat seine Unschuld verloren“ (Das Schwarze Deutsche Datenbank Archiv) haben die damalige Diskussion durch den Artikel von Grada Kilomba „Don ́t Call me N….“in TheBlackBook aufgegriffen (AFROTAK TV cyberNomads mit ADB Koeln (Hrsg.) (2004): The Black Book, Köln und Berlin, Schwarze Präsens in Deutschland Mittelalter bis Gegenwart. IKO–Verlag). Und als Redaktion für ein Online-Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung der Nachwelt allgemein zugänglich gemacht. Auch historisch betrachtet war der Begriff zu keiner Zeit neutral. Im Gegenteil: Das mit dem N-Wort verbundene koloniale Konzept „Untermensch“ war Teil einer moralischen Rechtfertigungsstrategie weisser, deutscher Menschen der Weimarer Republik, die Schwarzen Menschen das Menschsein absprach. Und 1904-1908 im Vernichtungskrieg/Völkermord fast 100 000 Menschen in der deutschen Kolonie (heute Namibia) umbrachten, noch bevor die Nationalsozialisten dies nach Deutschland importierten. Auch gegenwärtig können in der BRD weisse koloniale und rassistische Strategien und Kontinuitäten gegen Schwarz nachgewiesen werden. Wie z.B.: Institutionalisiertes „Racial Profiling“, Ausgrenzungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt, sowie tendenziöse bis rassistische Berichterstatung in den vorwiegend weiss geprägten Mainstream-Medien.

Adetoun Küppers-Adebisi, die Präsident_in von AFROTAK TV cyberNomads, und Bündnispreisträger_in der Stiftung Demokratie und Toleranz berichtet: „Vor 30 Jahren habe ich als Reaktion zu der Beleidigung mit dem N-Wort durch andere Kinder den Yoruba-Begriff KOORA als Erwiderung eingeführt. (Und Ihr, – seid dann eben alle KOORA). Die damalige Reaktion im Ferienlager waren weinende Kinder. Daraufhin baten die Sozialarbeiter_innen mich, damit aufzuhören, die Kinder `fremdzubezeichnen ́. Und, – ich solle sagen, was das bedeute. Das war vor 30 Jahren und als verbale Selbst- Empowernment-Strategie eines Schwarzen Kindes war das für Weisse Kinder und Erwachsene genauso belastend.“ (siehe auch: Adetoun Küppers-Adebisi, Schwarze Globale Befreiungsbewegungen des 20. Und 21. Jahrhunderts in: Nduka-Agwu, Adibeli; Lann Hornscheidt, Antje (2010): Rassismus auf gut Deutsch, Frankfurt, Brandes & Apsel)

Eine weitere kluge und engagierte Kommentierung macht die Schriftstellerin, Bloggerin, Aktivistin und Edutainerin Noah Sow. Noah Sow thematisiet die Debatte u.a. als Streiten von weißen Mehrheitsangehörigen, um ihr angebliches Recht, Menschen auch auf verletzende Weise zu benennen und so zu diskriminieren, wie sie wollen. Und sie schreibt vom verloren gegangenen Gewohnheitsrecht, keinen Widerspruch gegen Rassismus von der Dominanzgesellschaft zu erhalten, da sich wenige Prozent Mehrheitsangehörige gegen die Selbstverständlichkeit des Rassismus wenden. Ebenso wie Simone Dede Ayivi kommt sie zu dem Schluss, dass Sprache zu Recht ein Spiegel der Gesellschaft sein muss und schlussfolgert, dass es die Aufgabe der weißen Mehrheitsgesellschaft ist, sich daran zu gewöhnen, Schwarzen Menschen in der aktuellen Debatte auf Augenhöhe zu begegnen. Denn letztendlich geht es um sie.

Maisha Eggers schreibt im Sammelband „Afrika und Europa. Koloniale und postkoloniale Begegnungen“ aus dem Jahre 2006 in einem Artikel zu rassisfizierten Figurationen und Identitäten darüber, wie schon dreijährige Kinder Geschlecht, erlernte Hautfarbenkonstruktionen und Arbeitsmarktpositionen/Einkommensverhältnisse gelernt haben, wahrnehmen UND zusammen denken in hierarchisierender Weise, wie es auch segregierten, gegenderten Arbeitsmarktverhältnissen entspricht. Kinder wissen, wer den Müll weg macht, als Kinderbetreuerin in Haushalten arbeitet usw. In einem anderen Artikel mit dem Titel „Pippi Langstrumpf – Emanzipation nur für weiße Kinder? Rassismus und an (weiße) Kinder adressierte Hierarchiebotschaften“ (vgl. http://blog.derbraunemob.info/wp- content/uploads/2008/10/pippi_langstrumpf-emanzipation_nur_fuer_weisse_kinder.pdf ) weist Maisha Eggers darauf hin, „wie die Geschichte “schwarze Kinder als stumme, handlungsabhängige Figuren konstruiert” und so das koloniale Bild vom unterwürfigen “Eingeborenen” bis heute am Leben erhält. Diese Botschaft verstehen alle Kinder – weiße wie schwarze. Ersteren wird dabei beigebracht, wer N* sind und dass man sie damit beleidigen kann und Letzteren wird vermittelt, dass sie die N* sind. Beide fühlen das Machtverhältnis subtil, das mit dem Wort und der Botschaft verbunden ist.“

Ein weiterer wichtiger Artikel ist der von Grada Kilomba zum Thema Trauma und Rassismus, in dem sie Rassismus als sich stets wiederholdende traumatisierende Reinszenierung kolonialer Figurationen beschreibt. Und Eske Wollrad schreibt in einem Artikel zu Rassismus in Kinderbüchern, dass Schwarze Kinder in der Regel als geschichtslose, nicht in Familien- und Freundschaftsnetzwerke eingebundene Personen gesehen werden, die “eigentlich nicht” in das als weiß imaginierte Territorium der so genannten normalen Einheimischen, der Weißen, gehören. Beide Artikel finden sich im Buch Rassismuskritik Band I aus dem Jahr 2009.

Die oben genannten Artikel stehen in der Tradition einer lang existierenden Forderung zahlreicher Menschen in diesem Land, Schwarzen und weißen, die durch die aktuell stattfindende Debatte hoffentlich in dem lang erwarteteten Ergebnis mündet: der Abschaffung von Begriffen in der deutschen Sprache, die durch eine koloniale und von Rassismus geprägte Vergangenheit gekennzeichnet sind (siehe u.a. Nduka-Agwu, Adibeli; Lann Hornscheidt, Antje (2010): Rassismus auf gut Deutsch, Frankfurt, Brandes & Apsel, S. 32; Oguntoye, Katharina; Opitz, May; Schultz, Dagmar, Hrsg. (1986): Farbe bekennen. Afrodeutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte, Berlin, Orlanda Verlag, S. 127; Bärbel Kampmann: Schwarze Deutsche. Lebensrealität und Probleme einer wenig beachteten Minderheit in Mecheril, Paul; Theo, Thomas, Hrsg. (1994): Andere Deutsche, Berlin, Dietz Verlag). Schwarze Menschen in Deutschland, die auf eine jahrhundertelange Geschichte in diesem Land zurückblicken, versuchen seit langem diesen Missstand, der von der Problematik des Alltagsrassismus, den sie erfahren, nicht getrennt werden kann, öffentlich zu machen. Nun ist sie da, die Debatte, und es bleibt zu hoffen, dass sie jetzt endgültig geführt wird und in konstruktiver Weise dazu beiträgt, dass die deutsche Medienlandschaft ihre Sprache endlich an die deutsche Realität anpasst.

Dass wir heute leider davon noch entfernt sind, zeigen die Artikel der Wochenzeitschrift die „Zeit“ von Ulrich Greiner und Axel Hack vom 17.01.2013. Sie sind entgegen den oben genannten kritisch reflektierenden Artikeln gekennzeichnet durch

- fehlende Genauigkeit im Sprechen über Rassismus

- und eine fehlenden Beschreibung dessen, was unter Rassismus verstanden wird. Um eine Definition vorzuschlagen: Als ein Herrschaftsverhältnis kann Rassismus definiert werden als „als ein System von Diskursen und Praxen, die historisch entwickelte und aktuelle Machtverhältnisse legitimieren und reproduzieren. Rassismus im modernen westlichen Sinn basiert auf der „Theorie“ der Unterschiedlichkeit menschlicher „Rassen“ aufgrund biologischer Merkmale. Dabei werden soziale und kulturelle Differenzen naturalisiert und somit soziale Beziehungen zwischen Menschen als unveränderliche und vererbbare verstanden (Naturalisierung). Die Menschen werden dafür in jeweils homogenen Gruppen zusammengefasst und vereinheitlicht (Homogenisierung) und den anderen als grundsätzlich verschieden und unvereinbar gegenübergestellt (Polarisierung) und damit zugleich in eine Rangordnung gebracht (Hierarchisierung). Beim Rassismus handelt es sich also nicht einfach um individuelle Vorurteile, sondern um die Legitimation von gesellschaftlichen Hierarchien, die auf der Diskriminierung der so konstruierten Gruppen basieren. In diesem Sinn ist Rassismus immer ein gesellschaftliches Verhältnis.“ (Rommelspacher 2009, in Melter/Mecheril: Rassismuskritik Band I). Es geht also um Gesellschaftsstrukturen, Macht, Zuschreibungen und ideologische Rechtfertigungsmuster, die sich auch in Begriffen und Gruppenkonstruktionen niederschlagen. Wie wer einen Ausdruck intendiert ist dabei oftmals unerheblich hinsichtlich der verletzenden und abwertenden Wirkung, wie Berichte von Schwarzen deutschen Kindern eindrücklich zeigen, wie der von Dialika Neufeld.

- In den Texten von Greiner und Hack wird nicht ausführlich auf die Verbrechen des Kolonialismus eingegangen. Insbesondere der Völkermord an den Herero und Nama 1904 und auch die rassistischen Benennungs- und Abwertungspraxen gegenüber afrikanischen Menschen seitens Philosophen wie Kant und Hegel, der den Kolonialismus offensiv befürwortete, sowie die Verbrechen im Zeitalter des Nationalsozialismus sind ja in Deutschland die historische Folie, in der das N-Wort gesprochen und geschrieben wurde sowie in diskriminierender gewaltvoller Intention und Wirkung angewandt wurde und wird, teils auch nicht beabsichtigt, jedoch trotzdem potentiell abwertend.

- In den zwei Artikeln in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ vom 17.01.2013 von Greiner und Hack wird das angeblich unangemessene Benannt-werden als „Rassist“ beklagt. Hilfreich ist hier das Gerichtsurteil vom 15. Juni 2000 am Amtsgereicht Schwäbisch-Hall (Geschäftsnummer 6 C 154/ 00), in diesem wurde entschieden, dass, wer das N-Wort öffentlich benutzt, „Rassist“ genannt werden darf (vgl. www.derbraunemob.info/deutsch/content/archiv/Gerichtsurteil.pdf<http://www.derbraunemob.info/deutsch/content/archiv/Gerichtsurteil.pdf><http://www.derbraunemob.info/deu tsch/content/archiv/Gerichtsurteil.pdf>).

- Allerdings geschieht es häufig, dass die Aussage “diese Bezeichnung kann als rassistisch eingeordnet werden” umgedeutet wird in, “ich werde als Rassist benannt”. Es wird nicht getrennt zwischen der Kritik an Handlungen und an der ganzen Person. Diese Behauptung (und vielleicht auch das eigene Erleben) als ganze Person angegriffen, ist real ein Abwehrmechanismus, um sich nicht differenziert mit dem Vorwurf bzw. der beschriebenen Fragestellung auseinanderzusetzen.

- Es wird im Zeit-Haupartikel von Greiner geschrieben, dass in Kinderbüchern, die damals von Ottfried Preussler und Astrid Lindgren geschrieben wurden, die Verwendung des N-Wortes eine übliche neutrale und nicht abwertend rassistische Bezeichnungspraxis war. Doch auch damals haben diese Begriffe Menschen gekränkt, verletzt und abgewertet. Diese Einsicht ist übrigens keine Neue. Bereits 2002 wurde auf Initiative der Anti-Diskriminierungsstelle der Stadt Hannover durchgesetzt, dass Agatha Christies Krimi “Zehn kleine N*lein” in Deutschland einen neuen Titel erhalten wird. In Anlehnung an den englischen Originaltitel “And Then There Were None” wurde beschlossen, dass das Buch in zukünftigen Auflagen den Titel “Und dann gab’s keines mehr” tragen wird (SPEX March 2002)

- Die KRITIK an der Verwendung des N-Wortes wird in den genannten Artikeln der „Zeit“ vom 17.01.2013 als unangemessen, unwissenschaftlich und als ein Angriff auf Literatur und Menschen (“Kleine Hexenjagd”, so die Überschrift über den Leitartikel, als gegen eine Gruppe gerichtete Verfolgungs- und Mordpraxis gegen Frauen) gedeutet. Hier ist zu entgegnen, dass die Kritik am N-Wort sehr wohl wissenschaftlich fundiert und belegt ist [vgl. die Artikel von Grada Kilomba 2009, und Eske Wollrad 2009 sowie die Belege im Blog von Noah Sow und dem Internetauftritt von der braune mob: www.derbraunemob.info/download<http://www.derbraunemob.info/download><http://w ww.derbraunemob.info/download>“ sowie das Buch von Noah Sow: Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus (2008), Mark Terkessidis: Die Banalität des Rassismus (2004)].

- Kindern wird schon sehr früh BEIGEBRACHT nach Kriterien wie „Gender“, konstruierten „Hautfarbengruppen“, Alter usw. zu unterscheiden und z.B. typische Berufsgruppen entsprechend gegebener Arbeitsmarktstrukturen einzuteilen (siehe Artikel von Maisha Eggers in „Afrika und Europa. Koloniale und Postkoloniale Begegnungen“, Bechhaus- Gerst/Gieseke 2006). Dass Kinder in Deutschland sehr früh mit rassistisch geprägten Begriffen in Kinderbüchern konfrontiert werden und dass dies mit schmerzhaften Folgen für Schwarze Kinder einhergeht, beschreibt die Autorin ManuEla Ritz in ihrer Autobiographie. Darin erläutert sie anschaulich, wie Eltern Schwarzer Kinder in Deutschland oftmals ihren Kinder helfen müssen, frühzeitig Erlebnisse zu verarbeiten, in denen sie aufgrund ihrer Hautfarbe negative Zuschreibungen oder Ungleichbehandlung erfuhren (ManuEla Ritz: Die Farbe meiner Haut (2009).

Gegenüber den genannten „Zeit“-Texten positiv hervorhebenswert ist der letzte Artikel von Ijoma Mangold, in dem geschrieben wird, dass das Bedürfnis, im Wissen um die Problematik des N-Wortes auf deren Nutzung zu bestehen, ein bewusstes Abwerten-Wollen seitens der so Sprechenden ist und eine Diskriminierungsabsicht enthält. Wünschenswert wäre gewesen, wenn auch in diesem Text nicht ständig das N.-Wort wiederholt worden wäre und auch ohne Anführungszeichen (was es allerdings auch nicht wesentlich besser gemacht hätte). Eine weitere Begründung gegen die Nutzung des N-Wortes ist, dass es – egal ob beabsichtigt oder nicht – vielfach verletzend, kränkend und beleidigend wirkt. Angemessen ist Ijomas Mangolds Auseinandersetzung mit dem Leser_innenbrief eines 9-jährigen Mädchens, das nicht N. genannt werden will.

Uns erscheint entgegen den tendenziell Rassismus verharmlosenden und koloniale Denkmuster bestärkenden und gleichzeitig Kolonialismus nicht thematisierenden Artikeln von Greiner und Hack ein ernsthaftes und behutsames Ringen um rassismuskritische Kinderbücher notwendig, die egalitäre Beziehungen schildern und die Normalität Schwarzer Deutscher und migrantischer Deutscher, kurzum von Vielfalt (z.B. auch in Bezug auf Menschen, die behindert werden), als selbstverständlich ansehen und danach streben, nicht diskriminierend, nicht verletzend, zu sein. Verbunden sein sollte dies sowohl mit einer Diskussion über gegenwärtigen körperlich gewalttätigen, institutionellen und eben auch verbal-diskursiven Rassismus, der auch das Verhältnis zu Kolonialismus und Nationalsozialismus in Deutschland thematisiert sowie den Umgang damit.

Sinnvoll erscheint somit eine Debatte über Rassismus als Gesellschaftsverhältnis, das sowohl in machtvollen Ausgrenzungs- und Benachteilungspraxen, physischer und diskursiver sowie institutioneller Gewalt und Diskriminierung ausgedrückt wird und mit ideologischen Legitimierungsbestrebungen arbeitet als auch die rechtliche Diskriminierung von Flüchtlingen und Personen mit Migrationsgeschichte ohne deutsche Staatsbürger_innenschaft beinhaltet.

Wir haben die Erwartung und den Anspruch an Journalist_innen und die Presse sowie an Literatur- und Theaterschaffende ihr Publikum mit ihren Texten und Begriffen auf nicht diskriminierende Weise zu informieren und keine rassistischen Begriffe und Gruppenkonstruktionen zu verwenden. Die Verantwortung der Presse und der Medien ist es, Rassismus zu thematisieren und ihm entgegen zu treten. Es ist nicht Aufgabe der Medien, durch Artikel und andere Beiträge die Verwendung von rassistisch geprägter Sprache zu rechtfertigen.

Medienvertreter_innen müssen (!) nach unserer Auffassung aufgrund der eigenen ethischen Richtlinien auf nicht-diskriminierende, nicht verletzende Sprache achten, Begriffe herrschaftskritisch und historisch kontextualisieren und damit beitragen, Rassismus zu hinterfragen anstatt ihn zu (re-)produzieren!!

 

Buschkowsky – Schaff’ dich ab!

Solidaritätskundgebung am 4.Januar um 15 Uhr vor dem Q-Dorf (Joachimstaler Str. 15)

Wir verurteilen den feigen, brutalen und rassistischen Angriff gegen Jimmy C. und diese Gesellschaft, die solche Täter_innen produziert. Wir wünschen Jimmy C. baldige Besserung und widmen ihm unsere Solidarität. Kommt zahlreich und verdeutlicht, dass Rassismus in unserer Gesellschaft keinen Platz hat!!!

Rassismus angreifen! Solidarität mit Jimmy C.!
Aufruf zur Kundgebung am 4.1.2013, 15 Uhr Joachimstaler Straße 15.

“An- und Übergriffe von Nazis und Rassist_innen auf Menschen, die nicht in ihr krudes “Weltbild” passen, sind weder Randerscheinungen noch eine Seltenheit in Berlin. Mit Jimmy C. hat es zum Jahreswechsel einen weiteren Menschen in Berlin getroffen, der wegen seiner vermeintlichen Herkunft beleidigt, brutal angegriffen, zusammengeschlagen und erheblich verletzt wurde. Deshalb rufen wir zusammen mit New Generation e.V. alle Berliner_innen zu einer spontanen
Solidaritätskundgebung am 04. Januar um 15.00 Uhr vor dem Ort des rassistisch motivierten Angriffs, der Diskothek Q.Dorf, in der Joachimstaler Straße 15 auf”, erklären das Bündnis gegen Rassismus sowie der Berliner VVN-BdA e.V.

Unsere uneingeschränkte Solidarität gehört allen Betroffenen und Angehörigen von An- und Übergriffen durch Nazis und Rassist_innen! Wir schauen nicht weg! Deshalb fordern wir erneut endlich wirksame Konzepte und Handlungsstrategien von der herrschenden Politik gegen jede Erscheinungsform von Rassismus statt politische Statements ohne Konsequenzen. Eine seit langem geforderte gesamtgesellschaftliche Debatte über das Phänomen Rassismus sowie die Existenz rassistischer und sozial ausgrenzender Gesetze, die systembedingten Ursachen und die Beteiligung von Teilen der Politik, Medien und Gesellschaft an rassistischer Stimmungsmache ist überfällig! Ebenso ein bundesweiter, handlungsorientierter Aktionsplan gegen Rassismus, der seinem Namen gerecht wird.

Als unerträglich empfinden wir die Pressemitteilung der Polizei, die nicht zum ersten Mal jeglichen Hinweis auf einen rassistischen Hintergrund eines Angriffes vermissen lässt. Warum die Polizei nicht rechtzeitig vor Ort erschienen ist, muss zudem lückenlos aufgeklärt werden.

 

Gedenkfeier für Celalettin Kesim am 5. Januar um 17 Uhr (Kottbusser Tor vor dem Mahnmal)

Seit 33 Jahren veranstalten Antifaschist_innen und Freund_innen Celalettin Kesims ihm zu Ehren eine Gedenkfeier an seinem Mahnmal am Kottbusser Tor. Kesim war Lehrer, Gewerkschafter, Sekretär der Vereinigung „Türkiyeliler Merkezi“ und TKP- Aktivist und wurde am 5. Januar 1980 in Westberlin, am Kottbusser Tor, von Faschisten und Anhängern des religiös-reaktionären Lagers ermordet.
Celalettin Kesim bekämpfte den Reaktionismus und verteidigte die Solidarität der Völker gegen die Fremdenfeindlichkeit. Sein Leben lang stand er für die Einheit der Arbeiter_innen jeglicher Herkunft und hat sich niemals Ausbeuter_innen unterworfen.
Die Gedenkfeier findet statt am Samstag, den 5. Januar 2013 um 17 Uhr am Kottbusser Tor vor dem Mahnmal, das zu seinem Andenken aufgestellt wurde.

Celalettin Kesim anma etkinliğine sen de katıl!
5 Ocak 1980’de Batı Berlin’de dinci gerici ve faşistler tarafından katledilen öğretmen, sendikacı, Türkiyeliler Merkezi sekreteri ve TKP militanı Celalettin Kesim Kottbusser Tor’daki anıtı başında 33 yıldır mücadele arkadaşları ve antifaşistler tarafından anılıyor.
Celalettin Kesim gericiliğe karşı aydınlanmayı, yabancı düşmanlığına karşı halkların kardeşliğini, her kökenden işçilerin birliğini savundu, emek düşmanlarına boyun eğmedi.
Anma etkinliği 5 Ocak 2013 Cumartesi saat 17.00’da Kottbuser Tor’da katledildiği yerde anısına yapılan anıtın önünde gerçekleşecek.