Kategorie-Archiv: Institutioneller Rassismus

Offener Brief an die BVG

Berlin, den 26. Oktober 2017

Werbung geht auch ohne Diskriminierung: Verantwortung übernehmen!

Wir sind Menschen, die in Berlin wohnen und Ihre Werbung täglich sehen müssen und sind über Ihre aktuelle Werbekampagne, insbesondere über folgendes Plakat, wütend.

Mit diesem Spruch werden Menschen schamlos mehrfach diskriminiert: rassistisch, trans*feindlich und sexistisch. Weiterlesen

Wir gedenken Nguyễn Văn Tú: gegen rassistische Gewalt – damals wie heute!

24. April | 17 Uhr | Brodowiner Ring 8, Berlin-Marzahn (Tatort)

Nguyễn Văn Tú lebte ab 1987 als Vertragsarbeiter in der DDR. Am 24. April 1992 wurde er in Berlin-Marzahn am Brodowiner Ring von einem
Neonazi erstochen. Damals fand ein Trauermarsch mit ca. 2.000 Teilnehmer_innen statt. 25 Jahre danach ist seine Geschichte in der
Öffentlichkeit weitgehend in Vergessenheit geraten. Auch heute sind rassistische Übergriffe auf Menschen of Color und ihre Unterkünfte
alltäglich. Genauso wie damals kämpfen heute viele Menschen um einen Aufenthaltsstatus und um Schutz vor Gewalt. Am 25. Todestag möchten wir
an Nguyễn Văn Tú erinnern.

Podiumsveranstaltung: Die 90er Jahre – Rassismus und Widerstand
24. April | 18 Uhr | Jugendzentrum Anna Landsberger, Prötzeler Ring 13, Berlin-Marzahn
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Aktionswoche: Zwei Video-Kundgebungen

Video-Installationen in Gedenken an die vom NSU Ermordeten

31.10., 18:00 Uhr, U7 Wilmersdorferstraße, Ausgang Pestalozzistraße (hinter der Baustelle)

03.11., 17:00 -19:00 Uhr, S-Bahnhof Friedrichstraße, Hinterausgang S-Bahnhof Friedrichstraße zwischen Tränenpalast und Friedrichstraße (http://www.openstreetmap.org/node/1308877499)

Die Installation zeigt eine Serie von Lichtprojektionen zu den begangenen Ermittlungsfehlern, dem offen praktizierten Rassismus, sowie der unfassbaren Vorgehensweise der Behörden und verknüpft diese mit den begangenen Morden. Die Lichtinstallationen wurden in belebten Gegenden realisiert. Zur Aktionswoche werden die Lichtinstallationen um eine Tonspur aus Zitaten, Reden und Ausschnitten aus Interviews mit den Opfern erweitert. Das Gedenken wird bewusst sichtbar, hörbar und somit auch spürbar in den öffentlichen Raum getragen.

Aktionswoche “Gedenken &Widerstand”

Flyer als PDF

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Aktionswoche Gedenken & Widerstand, 29.10. – 06.11.2016

History repeating

Der Gerichtsprozess zur NSU-Mordserie wird 2017 abgeschlossen. Anstatt die dringlichen Anliegen der Angehörigen und der Nebenklage ernst zu nehmen, die politische Bedeutung des NSU für die gesamte deutsche Justiz, den Verfassungsschutz und weitere Ermittlungsbehörden aufzuarbeiten, wurde im Prozess nur die Tatbeteiligung eines kleinen Neonazikreises verhandelt. Die Auffassung, der NSU sei eine kleine Neonazi-Terrorgruppe, kann die Dimension und Reichweite eines bundesweiten rechten Netzwerks, das bis in staatliche Institutionen hineinreicht, nicht erfassen. Unter diesen Umständen der Prozessführung ist Aufklärung kaum zu erwarten. Dennoch haben Angehörige der Opfer, Zeug_innen, Nebenkläger_innen und andere ihr Bestes gegeben, um das Ausmaß dieser Mordserie aufzuarbeiten und den strukturellen und institutionellen Rassismus deutlich zu machen. Wo der Staatsapparat aktiv versagt hat, haben sich Menschen zusammengeschlossen, um etwas zu bewegen und gegen dieses Unrecht zu kämpfen.

Wie geht es nach dem NSU-Prozess weiter? Angehörige und Communities von Opfern rassistischer Gewalt werden nach wie vor verdächtigt und kriminalisiert. Was können wir im Zuge des NSU- Skandals lernen? Der NSU hat sich als ein bundesweites rechtes Netzwerk enthüllt, das bis in staatliche Institutionen hineinreicht. Überall in Europa bekommen rechtsextreme Populist_innen, Nazis und Rassist_innen Zuspruch in den Medien, der Bevölkerung und der Politik. Wie geht es uns dabei? Welche Strategien haben wir gegen den Rechtsruck und Rassismus in Europa?

Wir vom Bündnis gegen Rassismus wollen anlässlich des fünften Jahrestags der sogenannten Selbstenttarnung des NSU eine Aktionswoche zwischen dem 29.10 und 06.11.2016 in Berlin durchführen. In der Aktionswoche werden an verschiedenen Orten in Berlin diverse Aktionen, Workshops und Interventionen im öffentlichen Raum stattfinden, wie etwa in Spätis, Cafés und Bibliotheken, auf Straßen und Plätzen und an anderen frequentierten Orten. Abschließen möchten wir die Aktionswoche mit einem ganztägigen Kongress am 05.11.2016, der eine Reihe von Panels, Workshops und Performances beinhalten wird, und mit einem Filmabend am 06.11.2016. Eine Gedenkdemonstration wird zur Zeit seitens anderer Gruppen geplant, mit denen wir ebenfalls vernetzt sind.

Thematischer Schwerpunkt der Aktionswoche ist Gedenken und Widerstand. Erinnern und öffentliches Trauern sind wichtige Formen des politischen Protests. Viele Initiativen wurden aus der Notwendigkeit heraus gebildet, Opfer rassistischer Gewalt nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, und um daran zu ermahnen, dass Aufklärung und Gerechtigkeit immer noch gefragt sind: Wie können wir Gedenken politisch wirksam gestalten? Wir gedenken im Rahmen der Aktionswoche der vom NSU Ermordeten und anderer Opfer rassistischer Gewalt. Wir möchten Erfahrungen mit institutionellem, strukturellem und Alltags-Rassismus sowie die Verschränkung verschiedener Diskriminierungsformen thematisieren, aber auch Widerstandsstrategien. Wir vergessen dabei niemals Mölln, Rostock-Lichtenhagen, Solingen und immer noch brennende Geflüchtetenunterkünfte in Deutschland und ganz Europa. Wir sehen, wie sich die Geschichte um rassistische Mobilisierung in der BRD immerzu wiederholt. Die Geschichte wiederholt sich – aber wir kämpfen gemeinsam weiter, um unsere Geschichte am Leben zu halten.

Bündnis gegen Rassismus