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Tribunal ‘NSU-Komplex-auflösen’: Forum für Angehörige, Betroffene und Initiativen

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Wir laden euch herzlich ein zum FORUM: Solidarische Perspektiven und Strategien des Widerstandes auf dem NSU Tribunal!

Tribunal ‘NSU-Komplex-auflösen’
Angehörige, Betroffene und Initiativen laden ein
Freitag | 19. Mai 2017 | 10.00 – 15.00 Uhr

Angehörige und Betroffene von rechter/rassistischer Gewalt und Initiativen kommen zusammen zu einem Austausch über Solidarische Perspektiven und Strategien des Widerstands.
Ein wichtiger Aspekt dabei der länder- und community-übergreifende Austausch und Perspektive.

Rassistische Morde und Angriffe haben System
…nicht erst seit dem NSU-Komplex
…und nicht nur in Deutschland.

Staatlich gestützte rassistische Ausgrenzung, Diskriminierung, Unterdrückung und Morde haben in allen Ländern und Gesellschaften Europas eine lange Tradition. Rassistische Macht- und Herrschaftsverhältnisse werden u. a. durch Eurozentrismus und koloniale Mentalitäten der Mehrheitsgesellschaft und staatlichen Institutionen reproduziert und legitimiert. Die mörderischen Auswirkungen auf die „Fremden“, Schwarze, People of Color, Migrant_innen, Roma und Romnja, religiöse Minderheiten und Schutzsuchende gleichen sich überall.

Darüber und die Reaktionen darauf, wollen wir in einem offenen Gespräch mit den Betroffenen und Initiativen austauschen. Dazu gehören Themen wie z.B. Solidarität, Selbst-Organisierung und Widerstand, würdige Erinnerungs- und Gedenken Praktiken, sowie die konkrete Forderungen der Betroffenen, die Angehörigen der rassistischen Morde nach Entschädigung und die Konsequenzen aus dem NSU-Prozess.

Tragende: Initiative für ein Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân; Ramazan-Avcı-Initiative, Hamburg; Bündnis gegen Rassismus, Berlin; Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş; Freundeskreis im Gedenken an den rassistischen Brandanschlag von Mölln 1992, Hamburg; Initiative in Gedenken an Jaja Diabi; Initiative Keupstraße-ist-überall, Köln; Initiative 6.April, Kassel; Initiative Das Schweigen durchbrechen, Dortmund, Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, u.a.

Themen Gesprächsrunden:
1. Institutioneller Rassismus – Historische Kontinuitäten faschistischer und rassistischer Gewalt und Deutungshoheiten im NSU-Komplex:
Initiative in Gedenken an Oury Jalloh

2. Länderübergreifende Erfahrungen – internationalistischer und community-übergreifender Widerstand
Urgence Notre Police Assasine (Frankreich) und Bündnis gegen Rassismus Berlin

3. Selbstorganisation-Community-Netzwerke: Gedenken-Kämpfen – Konsequenzen
Gülüstan Avcı, Ramazan Avcı Initiative; Ibrahim Arslan, Freundeskreis im Gedenken an den rassistischen Brandanschlag von Mölln 1992, Osman Taşköprü, Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş

4. Strategien des Widerstands gegen rassistische Gewalt und Forderungen
Initiative für ein Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân;
Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş

Ziele:
Erfahrungen austauschen und auswerten
Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausarbeiten
Schlussfolgerungen und Forderungen ableiten
Perspektiven und Strategien (weiter-) entwickeln
Vernetzung

Ablauf:
1.Begrüßung
2.Inputs zu den Gesprächsrunden
3.Erwartungen und Ziele
4.Pause
5.Gesprächsrunden
6.Plenum- Zusammentragen der Ergebnisse

Übersetzungsgruppen: Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch

Datum: Freitag, 19. Mai 2017
Uhrzeit: 10.00 – 15.00 Uhr
Ort: Halle am Rhein (SSM), Am Faulbach 2, 51063 Köln

Tribunal ‘NSU-Komplex-auflösen’
Köln 17. – 21.Mai 2017
DAVACIYIZ. WE INDICT. WIR KLAGEN AN. NOUS ACCUSONS.

Gedenkkundgebung für Nguyễn Văn Tú: gegen rassistische Gewalt – damals wie heute!

24. April | 17 Uhr | Brodowiner Ring 8, Berlin-Marzahn (Tatort)

Nguyễn Văn Tú lebte ab 1987 als Vertragsarbeiter in der DDR. Am 24. April 1992 wurde er in Berlin-Marzahn am Brodowiner Ring von einem
Neonazi erstochen. Damals fand ein Trauermarsch mit ca. 2.000 Teilnehmer_innen statt. 25 Jahre danach ist seine Geschichte in der
Öffentlichkeit weitgehend in Vergessenheit geraten. Auch heute sind rassistische Übergriffe auf Menschen of Color und ihre Unterkünfte
alltäglich. Genauso wie damals kämpfen heute viele Menschen um einen Aufenthaltsstatus und um Schutz vor Gewalt. Am 25. Todestag möchten wir
an Nguyễn Văn Tú erinnern.

Podiumsveranstaltung: Die 90er Jahre – Rassismus und Widerstand
24. April | 18 Uhr | Jugendzentrum Anna Landsberger, Prötzeler Ring 13, Berlin-Marzahn

Mit dem Ende der DDR verloren auch die sogenannten Vertragsarbeiter_innen ihren Aufenthaltsstatus, darunter viele Vietnames_innen. Dagegen formierte sich ein Widerstand, in dem für ihr Bleiberecht und Arbeit gekämpft wurde. Neben der Bedrohung durch staatliche Abschiebepolitk waren sie Ziel von massiver rassistischer Gewalt: von Seiten der Polizei, als auch durch Rassist_innen und Neonazis.

Über die Geschichte und die Situtation mehr als 25 Jahre danach sprechen Zeitzeug_innen der „Vereinigung der Vietnamesen in Berlin und Brandenburg“, Tamara Hentschel (Reistrommel e.V.), Mai-Phương Kollath (Sozialarbeiterin) & Dan Thy Nguyen (Theaterregisseur, Schauspieler, Sänger).

Flyer zum Download:
http://akmh.blogsport.eu/gedenken/nguyn-vn-tu-24-april-2017

Eine Veranstaltung von: ReachOut Berlin // Bündnis gegen Rassismus // AKMH // VVN BdA // Vereinigung der Vietnamesen Berlin und Brandenburg //
Reistrommel e.V. // AStA ASH // NEA // Anti-rassistische Initiative

Redebeitrag des Bündnisses, Hamburg, 27.08.2016

Redebeitrag des Bündnisses gegen Rassismus Berlin anlässlich der Kundgebung in Gedenken an die 1980 beim Brandanschlag in der Hamburger Halskestraße ermordeten Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân am 27.08.2016 am Ort des Verbrechens:

Erinnern und öffentliches Trauern sind wichtige Formen des politischen Protests. Viel zu wenig wissen wir über die Menschen, denen Rassist_innen das Leben nahmen. Von den meisten kennen wir nicht einmal die Namen.

Viele Initiativen wurden aus der Notwendigkeit heraus gebildet, um Opfer und Überlebende rassistischer Gewalt nicht zu vergessen. Um zu ermahnen, dass Aufklärung und Gerechtigkeit immer noch ausstehen.

So entstand 2011 auch unser Bündnis gegen Rassismus in Berlin, nach der vermeintlichen Selbstenttarnung des NSU.

Wie können wir Gedenken politisch wirksam gestalten? Wir möchten unsere Erfahrungen mit institutionellem, strukturellem und Alltags-Rassismus sowie die Verschränkung verschiedener Diskriminierungsformen thematisieren. Und wir wollen über Widerstandsstrategien nachdenken.

Wir vom Bündnis gegen Rassismus planen daher anlässlich des 5. Jahrestags der sogenannten Selbstenttarnung des NSU eine Aktionswoche Anfang November in Berlin.
Der Schwerpunkt unserer Aktionswoche ist Gedenken und Widerstand. An verschiedenen Orten im öffentlichen Raum in Berlin werden diverse Aktionen, Workshops und Interventionen stattfinden.

Wir vergessen dabei niemals Mölln, Rostock-Lichtenhagen, Solingen, Freital, Hamburg, Hoyerswerda, Clausnitz. Auch jetzt brennen Geflüchteten-Unterkünfte in Deutschland, in ganz Europa. Doch die Mehrheit benennt diese Anschläge nicht als rassistischen Terror gegen unsere Communities of Color. Es werden keine politischen und rechtlichen Konsequenzen daraus gezogen.

Um unsere Trauer und unseren Widerstand sichtbar und öffentlich zu machen, stehen wir heute hier, in der Halskestraße in Hamburg, wo 1980 Đỗ Anh Lân und Nguyễn Ngọc Châu von Rassisten ermordet wurden. Wir schließen uns den Forderungen der heutigen Kundgebung an: Wir fordern von der Stadt Hamburg ein würdiges und öffentliches Gedenken an die Opfer. Wir fordern die Gedenktafel, um einen bleibenden Ort der Erinnerung zu schaffen.

Heute gedenken wir aller Opfer rassistischer Gewalt. Wir trauern um:

Đỗ Anh Lân
Nguyễn Ngọc Châu

Burak Bektaş

Abdurrahim Özüdoğru
Enver Şimşek
Habil Kılıç
Halit Yozgat
İsmail Yaşar
Mehmet Kubaşık
Mehmet Turgut
Süleyman Taşköprü
Theodoros Boulgarides
Aamir Ageeb
Christy Schwundeck
Dominique Kouamayo
Jaja Diabi
Kola Bankole
Laye Condé
Ndeye Mareame Sarr
Oury Jalloh
Sliman Hamade

Gülüstan Öztürk
Gürsün İnce
Hatice Genç
Hülya Genç
Saime Genç

Bahide Arslan
Yeliz Arslan
Ayşe Yılmaz

und der vielen vielen anderen Opfern rassistischer Gewalt.

Wir sehen, wie sich die Geschichte von rassistischen Mobilisierungen und Anschlägen immerzu wiederholt. Die Geschichte wiederholt sich – aber wir kämpfen gemeinsam weiter, um uns und unsere Geschichten am Leben zu halten. Wir setzten uns dafür ein, dass hier unsere Stimmen im hier und heute mehr denn je gehört werden.