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Redebeitrag des Bündnisses, Hamburg, 27.08.2016

Redebeitrag des Bündnisses gegen Rassismus Berlin anlässlich der Kundgebung in Gedenken an die 1980 beim Brandanschlag in der Hamburger Halskestraße ermordeten Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân am 27.08.2016 am Ort des Verbrechens:

Erinnern und öffentliches Trauern sind wichtige Formen des politischen Protests. Viel zu wenig wissen wir über die Menschen, denen Rassist_innen das Leben nahmen. Von den meisten kennen wir nicht einmal die Namen.

Viele Initiativen wurden aus der Notwendigkeit heraus gebildet, um Opfer und Überlebende rassistischer Gewalt nicht zu vergessen. Um zu ermahnen, dass Aufklärung und Gerechtigkeit immer noch ausstehen.

So entstand 2011 auch unser Bündnis gegen Rassismus in Berlin, nach der vermeintlichen Selbstenttarnung des NSU.

Wie können wir Gedenken politisch wirksam gestalten? Wir möchten unsere Erfahrungen mit institutionellem, strukturellem und Alltags-Rassismus sowie die Verschränkung verschiedener Diskriminierungsformen thematisieren. Und wir wollen über Widerstandsstrategien nachdenken.

Wir vom Bündnis gegen Rassismus planen daher anlässlich des 5. Jahrestags der sogenannten Selbstenttarnung des NSU eine Aktionswoche Anfang November in Berlin.
Der Schwerpunkt unserer Aktionswoche ist Gedenken und Widerstand. An verschiedenen Orten im öffentlichen Raum in Berlin werden diverse Aktionen, Workshops und Interventionen stattfinden.

Wir vergessen dabei niemals Mölln, Rostock-Lichtenhagen, Solingen, Freital, Hamburg, Hoyerswerda, Clausnitz. Auch jetzt brennen Geflüchteten-Unterkünfte in Deutschland, in ganz Europa. Doch die Mehrheit benennt diese Anschläge nicht als rassistischen Terror gegen unsere Communities of Color. Es werden keine politischen und rechtlichen Konsequenzen daraus gezogen.

Um unsere Trauer und unseren Widerstand sichtbar und öffentlich zu machen, stehen wir heute hier, in der Halskestraße in Hamburg, wo 1980 Đỗ Anh Lân und Nguyễn Ngọc Châu von Rassisten ermordet wurden. Wir schließen uns den Forderungen der heutigen Kundgebung an: Wir fordern von der Stadt Hamburg ein würdiges und öffentliches Gedenken an die Opfer. Wir fordern die Gedenktafel, um einen bleibenden Ort der Erinnerung zu schaffen.

Heute gedenken wir aller Opfer rassistischer Gewalt. Wir trauern um:

Đỗ Anh Lân
Nguyễn Ngọc Châu

Burak Bektaş

Abdurrahim Özüdoğru
Enver Şimşek
Habil Kılıç
Halit Yozgat
İsmail Yaşar
Mehmet Kubaşık
Mehmet Turgut
Süleyman Taşköprü
Theodoros Boulgarides
Aamir Ageeb
Christy Schwundeck
Dominique Kouamayo
Jaja Diabi
Kola Bankole
Laye Condé
Ndeye Mareame Sarr
Oury Jalloh
Sliman Hamade

Gülüstan Öztürk
Gürsün İnce
Hatice Genç
Hülya Genç
Saime Genç

Bahide Arslan
Yeliz Arslan
Ayşe Yılmaz

und der vielen vielen anderen Opfern rassistischer Gewalt.

Wir sehen, wie sich die Geschichte von rassistischen Mobilisierungen und Anschlägen immerzu wiederholt. Die Geschichte wiederholt sich – aber wir kämpfen gemeinsam weiter, um uns und unsere Geschichten am Leben zu halten. Wir setzten uns dafür ein, dass hier unsere Stimmen im hier und heute mehr denn je gehört werden.